Archiv der September, 2006
-Privater Beitrag. Nur für authorisierte Leser.
Author:
O.Johanndrees
-Privater Beitrag. Nur für authorisierte Leser.Sep 30
Einen alten Baum verpflanzt man nicht.
Author: O.JohanndreesSep 29
Seit dem letzten Wochenende muß ich mich an eine neue Adresse gewöhnen.
Da ist nämlich mein Freund und langjähriger Kollege Georg Joergens mit Sack und Pack, und natürlich mit der ganzen Familie, in seine neue Wohnung in Düsseldorf gezogen. Nicht weit weg von der alten, die sie immerhin über 13 Jahre bewohnt haben.
Erst kürzlich bin ich bei ihnen gewesen um sie endlich mal zu besuchen. Jetzt habe ich gerade gewußt wie sie wohnen, da ziehen sie schon wieder um. Ein unstetes Volk, oder …
Aber hey ihr Joergensens, …, ich komme Euch sicher im nächsten Jahr wieder besuchen. Schließlich will ich auch sehen wie´s Euch in der neuen Unterkunft so geht und ob Ihr es da die kommenden 15 Jahre aushalten könnt.
Ich freue mich drauf …
-Privater Beitrag. Nur für authorisierte Leser.
Author:
O.Johanndrees
-Privater Beitrag. Nur für authorisierte Leser.Sep 29
-Privater Beitrag. Nur für authorisierte Leser.
Author:
O.Johanndrees
-Privater Beitrag. Nur für authorisierte Leser.Sep 28
Das Horrorkabinett des Dr. Dent
Author: O.JohanndreesSep 27
Die schlimmste Nachricht die mich als Jugendlicher erreichen konnte war der Satz meiner Mutter
“Ich habe einen Termin beim Zahnarzt für Euch gemacht. Ihr geht auf jeden Fall dahin!”
Sie meinte damit meinen jüngeren Bruder und mich, und um es mit den Worten der BORG zu sagen:
Widerspruch ist zwecklos!
Heute weiß ich, das unser damaliger Zahnarzt in unserer Zeit wohl eher als besserer Pferdedoktor durchgegangen wäre, aber in den Jahren 1076-1980 war das scheinbar völlig in Ordnung und für die Allgemeinheit tolerierbar.
Für mich, als damals fast 12-jähriger, kam der Termin einer lebensbedrohenden Katastrophe gleich. Meine Erfahrungen mit diesem Zahnarzt waren allesamt höchst unangenehm, zumal sich ein Junge meines Alters nur sehr schlecht gegen einen Arzt behaupten, geschweige denn seine Interessen durchsetzen konnte. Weißkittel hatten damals ohnehin einen anderen Status als das heute der Fall ist. Meine Mutter lies damals jegliche Unterstützung vermissen. Der Termin wurde gemacht, und mein Bruder und ich durften anschließend allein mit dem Fahrrad dorthin fahren. Niemand da, der unser Händchen gehalten hätte …
Kein Wunder also, das man das Bohren im Backenzahn also ohne Spritze über sich ergehen lassen mußte und der Wunsch aufzustehen und zu flüchten mit nachhaltigem Druck auf die Brust unterbunden wurde.
Ich (und wohl ebenso mein Bruder) kam mir damals schrecklich ausgeliefert vor, eine Angst, die ihre Finger noch heute nach mir ausstreckt.
Diese Angst, ich möchte es fast eine Phobie nennen, hat mich die gesamten letzten Jahre fest in ihrem Griff gehabt. Noch 1990, mit 25 Jahren, war meine Furcht vor dem Dentisten ungebrochen, fast sogar noch etwas gesteigert. Wenn dann doch mal ein unausweichlicher Zahnarzt-Termin auf dem Kalender stand, dann war mein Leben bereits Wochen vorher ruiniert. Tagtäglich der Blick zum Kalender, ein flaues Gefühl im Magen und der allgegenwärtige, ständige Gedanke an den einen Termin, und sei er noch so kurz.
Ich habe in der Zeit vor dem Zahnarztbesuch meist mehr gelitten, als beim Besuch in der Praxis. Verbunden damit, und als eigentlicher Höhepunkt war der Moment, in dem ich die Räume des Arztes betrat. Der Geruch des Desinfektionsmittels, die Geräusche, die erdrückende Stille im Wartezimmer, der erschreckende Moment wenn die Sprechstundenhilfe den Raum betritt und
“Herr Johanndrees, bitte!”
sagt. Freundlich, aber bestimmt, mit den Unterlagen in der Hand.
Im Jahr 1990/91 war dann wohl auch mein letzter Termin und obwohl die Erfahrungen nicht unbedingt absolut negativ waren, habe ich alles versucht um weitere Sitzungen hinaus zu zögern.
15, fast 16 Jahre ist mir das gelungen. Aber glücklich war ich nie damit. Die Ängste, das eines Tages der entscheidende Moment kommen würde, habe ich nie ablegen können und sie wurden wohl über die Jahre auch immer belastender. Zumal mir unterbewußt klar war, das meine Probleme, so sie denn kommen würden, mit jedem verstrichenen Jahr eher noch anwachsen würden.
Erstaunlicherweise hielten meine Füllungen und auch mein Zahnbestand war und ist eigentlich ganz zufriedenstellend. Durch verstärkte Pflege konnte ich verhindern das sich alles zu sehr verschlechterte. Aber der innere Druck, das irgendwann die Stunde der Wahrheit schlagen würde, ist in all den Jahren stetig gewachsen.
Die kindliche Illusion, man müsse nur lange genug warten bis es eines Tages die schmerzfreie Behandlung gibt und nur noch mit dem Laser “gebohrt” wird, hat sich in den Jahren nicht erfüllt.
Nun, long story short: Mit 42 Jahren ist letztlich doch die Erkenntnis in mir gereift, das ich mich meiner Angst und den Notwendigkeiten stellen muß, auch ohne zahnmedizinisch einen konkreten Grund zu haben. Ich hatte weder defekte Füllungen, noch Zahnschmerzen, aber doch irgendwie den inneren Drang endlich die allgegenwärtige Angst vor der dentalen Zukunft abzuschütteln.
Der wohl schwierigste Schritt war es, den ersten Termin zu machen. Zum Telefon zu greifen und die verdammte Nummer eines unbekannten Zahnarztes zu wählen, von dem mir die Nachbarschaft erzählte, er sei “wirklich gut”.
Leider erzählt das jeder von SEINEM Zahnarzt, was nicht wirklich eine echte Entscheidungshilfe ist.
Dennoch tat ich es. Meine Frau kann ein Lied singen von den Tagen bis zum Termin. Fast täglich sprach ich von nichts anderem als von dem Zahnarztbesuch der in den nächsten Wochen kommen würde. Meine Gedanken kreisten Tag und Nacht darum, der erste und der letzte des Tages, und manchmal sogar in meinen Träumen.
Was soll ich sagen: Der Tag kam, unaufhaltsam. Es war kein wirklicher Trost für mich mir einzureden, das der Termin genauso sicher kam, wie er auch verstreichen würde. — Ich habe NICHT abgesagt (!), ich bin hingefahren (!) und auf den letzten paar Metern hat die Angst meine Seele so betäubt das alles fast wie ferngesteuert vor sich ging, so als sei ich gar nicht ich selbst.
Erstaunlicherweise nahm sich der Zahnarzt sehr viel Zeit für mich. Ich erklärte ihm in einem tiefergehenden Gespräch wo meine Ängste liegen, was ich erlebt hatte und das die Zahnarztpraxis mein persönlicher Albtraum sei. Er hörte mir wirklich zu, ging auf mich ein und gab mir, zumindest für das erste mal, ein echtes Gefühl, das alles gut werden könne wenn man die Sache richtig angeht. So war der erste Termin letztlich nur ein Gespräch, “Nachsehen” und “Bestandsaufnahme”, und ein paar Röntgenbilder, sonst ist gar nichts passiert (!). Das alles hat meine Seele nicht unbeträchtlich erleichtert und schon den ersten Samen des Vertrauens gesäät.
Die weiteren Termine (!), und ich betone das, weil es sonst für mich NIE weitere Termine gegeben hat, waren allesamt erträglich. Mein Zutrauen wuchs, abwohl nicht alles wirklich angenehm war.
So erhielt ich zunächst eine professionelle Zahnreinigung mit allem drum und dran. Schon danach war ich bereits ein wenig stolz auf meine sauberen Zähne, nach immerhin 15 Jahren. Danach kam eine komplette Paradontose-Behandlung, die weniger angenehm war, weil man in zwei Sitzungen lang den kompletten Ober- und Unterkiefer betäubt bekommt, also jeweils sechs bis sieben Spritzen über sich ergehen lassen muß. Aber auch das war eigentlich absolut verkraftbar.
Um mit den Worten meines Zanarztes zu reden: Nun war der Keller saniert und man konnte sich um das Dach kümmern.
Auch diese Termine kamen. Termine vor denen ich nur noch “gesteigerte Besorgnis” hatte. Ich sage es extra so, denn das Wort “Angst” war schon nicht mehr das richtige Wort, wäre zu übersteigert gewesen. Ich denke das läßt den Weg erkennen, auf dem ich mich befinde.
Nun, den in meiner Vorstellung “schlimmsten” Termin habe ich vor 14 Tagen überstanden. Das Ausbohren der ersten drei Amalgam-Füllungen und Beschleifen der Zähne für zwei Teilkronen und ein Inlay.
Ich habe den Termin mit Bravour bestanden und, wirklich ehrlich: “Es war gar nicht schlimm!”. Ich hasse diesen Satz mehr als alles andere, denn ein Stück Selbstbetrug ist wohl immer dabei. Aber ich komme nicht umhin zuzugeben das es tatsächlich so war.
Morgen ist nun mein vorerst letzter Termin zum Einsetzen der Kronen und des Inlays und, ob Ihr es glaubt oder nicht: Ich bin ein wenig stolz und freue mich sogar ein wenig darauf, das meine Zähne morgen wieder in altem Glanz erstrahlen und wieder in Ordnung sind!
Das ist so ein gänzlich anderes Gefühl bei dem Gedanken an Zahnarzt, als ich es die vergangenen Jahre hatte. Ich denke ich bin einen großen Schritt in dich richtige Richtung gegangen als ich den ersten Termin gemacht und mich meiner Angst gestellt habe. Seit dem geht alles, nicht wirklich angstfrei, aber doch um den Faktor “unendlich” leichter als zuvor …
Drückt mir die Daumen das ich auch den morgigen Termin gut überstehe. Im nächsten Jahr sind dann nochmal zwei, drei Füllungen fällig, aber dann ist wieder alles Tipp-Topp
. Ich denke, ich werde diesen Terminen freiwillig und mit ruhigem Gewissen entgegen gehen.
Vielleicht waren meine Worte ja mal positive Ermunterung für den ein oder anderen der Community. Kleine Schritte führen eben auch zum Ziel …!
*** Update: 29.09.2006 OliverJ um 19:56 Uhr ***
Es ist geschafft! Zumindest habe ich diesen Tag heute gut überstanden und meine “neuen Zähne” sind eingesetzt. Fast dreieinhalb Stunden hat es gedauert, aber jetzt sehen die drei Zähne in meinem Mund aus, als sei nie was dran gewesen. Richtig klasse.
Allerdings muß ich gestehen das sich mein Kiefer zur Zeit anfühlt, als sei eine Horde Elefanten darauf herumgetrampelt bevor man ihn mir wieder gegegeben hat. Naja, die Betäubung, und dann nochmals nachgespritzt (und zwar reichlich), sowie die ein oder andere kleine Schwierigkeiten haben dann ihr übriges getan. Ich bin aber zuversichtlich das es mir schon morgen besser geht.
Jetzt jedenfalls bin ich mit mir und der Welt sehr zufrieden. War ein positiver Tag heute!


