Archiv der Oktober, 2006

Nicht kleckern, sondern KLOTZen

Es war der 18. März 1988, ein Freitag.
In meiner kleinen Junggesellenbude in Borchen, bei Paderborn, versammelte sich an diesem Tage ein Großteil der Rißzeichner-Elite, um etwas zu schaffen das zuvor niemals getan wurde:

Die bislang größte und aufwendigste PERRY RHODAN-Rißzeichnung aller Zeiten sollte zusammengefügt werden. Der KLOTZ! Ein Jubiläums-Poster für den Band 1400.

Sieben Zeichner sollten nach wochenlanger Vorarbeit an einem einzigen Schreibtisch etwas zusammen bringen, das in allen Teilen Deutschlands entstanden war.

Aber zunächst ein paar Monate zurück.
Der Verlag VPM hatte André Höller den Job eines Jubiläums-Posters angeboten, eben diesen KLOTZ.

Ich kann mich an das Telefongespräch mit ihm erinnern, in dem er mir mitteilte das er sich sehr schwer täte mit diesem Projekt und am überlegen sei, ob er zusagen solle oder nicht. Ich glaube André war damals gerade mitten in seiner Diplomarbeit und zeitlich sehr eingespannt. Als erfahrener Zeichner wußte es sehr wohl um die Größe dieses Projektes und mußte sich doch eingestehen, das die Latte sehr hoch gelegt war für einen einzigen Mann.
Obwohl er wußte das er nicht die Zeit haben würde aktiv mitzuarbeiten, machte es letztlich den Vorschlag den Auftrag an die RZ-Gemeinschaft abzugeben, eine Gemeinschafts-Rißzeichnung zu machen. Das Diorama wollte er dann selbst hinzufügen.

Eine weise Entscheidung, der ich noch heute Hochachtung zolle. Man muß sich immer vor Augen halten was ein Poster damals für einen Rißzeichner bedeutete. Solche Chancen kommen nicht oft.

Auf Andrés Angebot hin fanden sich zum Jahreswechsel 1987/88 sieben Zeichner, die das Projekt KLOTZ in Angriff nehmen wollten. Bei einem Rißzeichnertreffen bei Walter Hellekamps in Viersen wurde zuvor der Grundstein und die ersten Konstruktionen für die gewaltige RZ gelegt.
Gregor Sedlag, damals der kreativste Kopf der Szene, zeichnete als Koordinator für alles verantwortlich und nahm den Grundentwurf mit nach Berlin. Dort teilte er die Zeichnung in sieben patchwork-artige Blöcke auf und schickte jedem beteiligten Zeichner Kopien davon.
Seine Maßgabe: Jeder sollte bis zu einem gewissen Stichtag seine Blöcke mit zeichnerischem Leben füllen. Anschließend war daran gedacht alles wieder zu einer kompletten Rißzeichnung zusammen zu setzen.

Der Tag, an dem dies geschehen sollte, war besagter Freitag. Sieben Zeichner, zig Kopien und Entwürfe und ein einziger Tag, an dem alles zu einem scharfen Projekt zusammen gefaßt werden sollte.
Georg Joergens, Gregor Sedlag, Walter Hellekamps, Bernd Held, Martin Wendling und meine Wenigkeit trafen sich also in meiner Wohnung und füllten die Räume mit Papier und Schablonen. André Höller mußte aus zeitlichen Gründen leider passen, wollte aber seinen Beitrag, das Diorama, nach Abschluß der Tuschearbeiten einfügen.

Vor Ort stellte sich heraus das nicht alle ihre Hausaufgaben gemacht hatten. Georg Joergens mußte schwer nachsitzen um seine Flächen zu füllen und Martin Wendlings Part war perspektivisch derart daneben, das wir grundlegende Umarbeitungen vornehmen mußten um wieder alles ins Lot zu bringen. Da Martin`s Ideen und Entwürfe aber genial waren, wollte keiner darauf verzichten.

Ein einziger Schreibtisch, und eine einzige Zeichnung, haben leider den Nachteil das jeweils immer nur ein einziger Zeichner daran arbeiten kann. Also wurde im Mehrschichtbetrieb ‘geklotzt’, über Stunden hinweg. Die Patchwork-Teile mußten mit dem Cutter sorgsam ausgeschnitten und in der Original-Vorzeichnung zusammengefügt werden. Während dies geschah, arbeiteten Georg und Martin intensiv an der Umarbeitung, bzw. Neugestaltung ihrer Beiträge. Der Rest der Mannschaft spendete Unterstützung mit Ideen und Anregungen.

Als alles zusammengefügt war und die entstanden Lücken zu einer Einheit gefüllt waren, begannen wir mit der Reinzeichnung in Tusche. Durch die Trocknungszyklen, und das Medium selbst bedingt, ging es langsamer voran als das Zeichnen mit dem Bleistift.
Gegen Mittag angefangen, schufteten sechs Zeichner im ‘Rund-um-die-Uhr-Betrieb’ die ganze Nach durch, bis in den frühen Morgen. Mir ist die Tortour noch heute lebhaft in Erinnerung und ich ziehe den Hut vor der Leistung, die diese Jungs damals vollbracht haben.

Irgendwann war die Luft raus. Die Erschöpfung stand allen ins Gesicht geschrieben. Der KLOTZ war nicht fertig zu diesem Zeitpunkt!
Gregor Sedlag entschied die Arbeit wieder mit nach Berlin zu nehmen und dort zu vervollständigen. Ich weiß das er damals noch mehrere Tage damit verbracht hat alles zu komplettieren und die ungeheure Menge an grafischer Information zu einer professionellen Rißzeichnung zu verschmelzen.
André Höller fügte abschließend das gesamte Diorama mit Airbrush hinzu, … der KLOTZ war fertig. Nach mehreren Anmahnungen noch gerade zum letztmöglichen Abgabetermin. Da auch Gregor viel um die Ohren hatte, wurde er von Florian Marzin, dem damaligen Chefredakteur von VPM schwer unter Druck gesetzt und beinahe wäre alles von VPM gecancelled worden. Doch Gregor lieferte auf den letzten Drücker und wir waren wieder im Geschäft.

Sieben Zeichner an einer einzigen Arbeit vereint, da sollte es nie wieder geben. Eine Rißzeichnung, im Original DIN A0 groß und gefüllt mit tausenden von grafischen Elementen. Eine koordinatorische Glanzleistung und der eiserne Willen zur Umsetzung haben das möglich gemacht.
Ich bin noch heute stolz darauf das ich an diesem Projekt mitwirken durfte. Der KLOTZ hat uns damals fester zusammen geschweißt.

Danke Jungs!

KLOTZ Band 1400

Neue Version

Ich habe heute erfolgreich auf die aktuelle WordPress-Version 2.0.5 upgedatet.
Bislang läuft alles gut, ich denke wenn die Bugfixes was bringen, sind wir etwas weiter.
Look & Feel scheint aber gleich zu sein.

-Privater Beitrag. Nur für authorisierte Leser.

The First Time

Heute möchte ich an einen Tag erinnern, der mir selbst gar nicht in Erinnerung geblieben ist.

Meine erste professionelle Veröffentlichung auf den Mittelseiten eines PERRY RHODAN-Romans!

Ulkigerweise ist die Zeit davor, und natürlich die Zeit danach in meinem Kopf, nicht aber der besagte Tag. Der Tag, an dem ich stolz zum Kiosk gehen und den ersten wirklich wichtigen Roman für mich kaufen konnte.

In meinem Dachzimmer in Lippstadt waren alle Wände voll geklebt mit den blau-schwarzen Rißzeichnungs-Postern der PR-Sonderhefte. Zeichner wie Hans Knößlsdorfer, Oliver Scholl und Manuel de Naharro waren meine Vorbilder und Idole. Monate zuvor hatte ich wieder und wieder Zeichnungen an den Verlag geschickt und gehofft, ebenfalls eine Veröffentlichung zu erreichen. Damals war Hans Gamber noch Chefredakteur der PERRY RHODAN-Sonderhefte. Ein ums andere Mal mußte er mich vertrösten. Ich war jedesmal enttäuscht, wenngleich ich mir nicht wirklich ernsthafte Hoffnungen machte einen Treffer zu landen. Zu weit weg waren die Idole, zu hoch gesteckt die Ziele.
Die Enttäuschung war grenzenlos, als eines Tages, für mich unerwartet, die Sonderhefte eingestellt wurden.
“Sie haben sich einfach nicht mehr verkauft.”, sagte mir Willi Voltz damals auf einem kleinen Con in Bergkamen. Kurz, prägnant, aber wohl der Wahrheit entsprechend.

Ich konzentrierte mich weiter auf die Romanhefte. Irgendwann 1979 teilte mir Willi dann in einem Zwei-Zeiler mit, das er zumindest eine meiner Zeichnungen auf der LKS bringen würde. In seinem Brief stand weder wann, noch in welcher Nummer und so begann ein nervenaufreibendes Warten über längere Zeit. Ich wußte damals noch nicht das VPM gute acht Wochen Vorlauf für Veröffentlichungen in den Romane hatte.
Aber ich denke das ist eine andere Geschichte, und ich glaube ich habe sie auch bereits zu oft erzählt.

Nach der ersten LKS-Veröffentlichung war mein Ehrgeiz gestärkter denn je, und ich zeichnete eine Arbeit nach der anderen. Hauptsächlich für die Schublade, denn für den Verlag war ich ein hartnäckiger, aber engagierter kleiner Leser von 15 Jahren. Längst nicht jede Zeichnung ging damals per Post an den Verlag. Mir war klar das ich schon etwas anständiges bringen mußte um vielleicht wirklich zu einer Veröffentlichung zu kommen. Auf die Mittelseiten habe ich dabei gar nicht mal spekuliert. Die LKS war damals für mich beinahe gleichwertig.

Um aber trotzdem meine Chancen zu verbessern habe ich Willi Voltz dann hin und wieder mit Anfragen für mögliche Projekte gelöchert.
Die SOL! Ich wollte die SOL als Rißzeichnung bringen.

“Tut mir Leid, Oliver, aber die wurde bereits von Bernhard Stoessel gezeichnet (Band 900, ‘Laire’). Viele Grüße Willi.”

Tja, Pech gehabt, dann muß es etwas anderes werden.
Die BASIS! Geile Idee. Ich zeichne die BASIS. Mein Gott Herr Voltz (!), schicken Sie mir Daten, ich mache da was.

“Tut mir Leid, Oliver. Die BASIS wird bereits seit einem Jahr von Oliver Scholl gezeichnet!”

Verfl ….

Naja. Auf einem der vorangegangenen Titelbildern hatte Jonny Bruck wieder mal was von Criss Foss verfarblichumgewandeltübergemaltundabstrusabstrahiert. Aber das seltsame Raumschiff hatte was.
Nach den drei oder vier Tagen, die ich standardmäßig neben der Schule brauchte um meinen wöchentlichen Roman zu lesen (… mein Freund brauchte dazu 4 Stunden! …), hatte ich mich entschlossen: Ich würde dieses Titelbild als Vorlage für eine RZ verwenden, etwas Eigendesign und diverse Verbesserungen anbringen und die RZ an den Verlag schicken. Was Jonny Bruck auf dem Cover gebracht hatte, war für mich fast so offiziell wie der Inhalt, also konnte das nicht falsch sein.

Ich mach´s kurz: Über die Arbeit an der “INVESTIGATOR-STAR” kann ich nichts sagen. Es ist mir schlichtweg nicht in Erinnerung geblieben! Zu viele Jahre sind seitdem vergangen, und um ehrlich zu sein: Es war eine Rißzeichnung von vielen.

Das es der erste wirkliche Treffer sein würde war mir damals nicht klar und konnte ich zudem damals nicht hoffen. Was ich nicht wußte: Es war dieser Mann aus Heusenstamm, Willi Voltz, der sehr wohl ein Auge auf meine Arbeiten hatte und es verstand mich durch wohlformulierte Absagen trotzdem weiter zu motivieren und den Ehrgeiz eines jungen Schülers zu fördern, der oft genug weit genug war um aufzugeben.

Und ich denke es war sogar ein besonders schöner Roman. Band Nr. 1007, mit einem Cover, auf dem Clark Dalton (Walter Ernsting) seinen Gucky auf dem Schoß hat.

Wie gesagt: Ich kann mich nicht daran einnern zum Kiosk gefahren zu sein um den ‘Roman der Romane‘ zu kaufen. Belegexemplare gab es damals nicht für uns Zeichner, es muß also so gewesen sein.
Heute liegt er, zusammen mit all den anderen Belegen, in einem Karton im Keller, wohlgehegt und gut erhalten.

Ihr wollt ihn nochmal sehen?
Hier ist er:

INVESTIGATOR-STAR 1980

Die Honorar-Anweisung, die mir William Voltz damals schickte, versah er noch mit einer kurzen Notiz, die mich ganz besonders freute:

VPM-Rechnung

Die RZ findet Ihr, etwas detaillierter, auf dieser Seite: OJ, INVESTIGATOR-STAR, Band 1007, 1. Auflage

Fast auf den Tag genau 26 Jahre sind seither vergangen. Viel ist geschehen.
Und wenn ich in das Gesicht dieses 15-jährigen Jungen sehe, dann freue ich mich für ihn!. Und für all die unglaublichen Dinge, die PERRY RHODAN noch für ihn bereit halten wird. Er weiß es nur noch nicht …

-Privater Beitrag. Nur für authorisierte Leser.