Es war der 18. März 1988, ein Freitag.
In meiner kleinen Junggesellenbude in Borchen, bei Paderborn, versammelte sich an diesem Tage ein Großteil der Rißzeichner-Elite, um etwas zu schaffen das zuvor niemals getan wurde:
Die bislang größte und aufwendigste PERRY RHODAN-Rißzeichnung aller Zeiten sollte zusammengefügt werden. Der KLOTZ! Ein Jubiläums-Poster für den Band 1400.
Sieben Zeichner sollten nach wochenlanger Vorarbeit an einem einzigen Schreibtisch etwas zusammen bringen, das in allen Teilen Deutschlands entstanden war.
Aber zunächst ein paar Monate zurück.
Der Verlag VPM hatte André Höller den Job eines Jubiläums-Posters angeboten, eben diesen KLOTZ.
Ich kann mich an das Telefongespräch mit ihm erinnern, in dem er mir mitteilte das er sich sehr schwer täte mit diesem Projekt und am überlegen sei, ob er zusagen solle oder nicht. Ich glaube André war damals gerade mitten in seiner Diplomarbeit und zeitlich sehr eingespannt. Als erfahrener Zeichner wußte es sehr wohl um die Größe dieses Projektes und mußte sich doch eingestehen, das die Latte sehr hoch gelegt war für einen einzigen Mann.
Obwohl er wußte das er nicht die Zeit haben würde aktiv mitzuarbeiten, machte es letztlich den Vorschlag den Auftrag an die RZ-Gemeinschaft abzugeben, eine Gemeinschafts-Rißzeichnung zu machen. Das Diorama wollte er dann selbst hinzufügen.
Eine weise Entscheidung, der ich noch heute Hochachtung zolle. Man muß sich immer vor Augen halten was ein Poster damals für einen Rißzeichner bedeutete. Solche Chancen kommen nicht oft.
Auf Andrés Angebot hin fanden sich zum Jahreswechsel 1987/88 sieben Zeichner, die das Projekt KLOTZ in Angriff nehmen wollten. Bei einem Rißzeichnertreffen bei Walter Hellekamps in Viersen wurde zuvor der Grundstein und die ersten Konstruktionen für die gewaltige RZ gelegt.
Gregor Sedlag, damals der kreativste Kopf der Szene, zeichnete als Koordinator für alles verantwortlich und nahm den Grundentwurf mit nach Berlin. Dort teilte er die Zeichnung in sieben patchwork-artige Blöcke auf und schickte jedem beteiligten Zeichner Kopien davon.
Seine Maßgabe: Jeder sollte bis zu einem gewissen Stichtag seine Blöcke mit zeichnerischem Leben füllen. Anschließend war daran gedacht alles wieder zu einer kompletten Rißzeichnung zusammen zu setzen.
Der Tag, an dem dies geschehen sollte, war besagter Freitag. Sieben Zeichner, zig Kopien und Entwürfe und ein einziger Tag, an dem alles zu einem scharfen Projekt zusammen gefaßt werden sollte.
Georg Joergens, Gregor Sedlag, Walter Hellekamps, Bernd Held, Martin Wendling und meine Wenigkeit trafen sich also in meiner Wohnung und füllten die Räume mit Papier und Schablonen. André Höller mußte aus zeitlichen Gründen leider passen, wollte aber seinen Beitrag, das Diorama, nach Abschluß der Tuschearbeiten einfügen.
Vor Ort stellte sich heraus das nicht alle ihre Hausaufgaben gemacht hatten. Georg Joergens mußte schwer nachsitzen um seine Flächen zu füllen und Martin Wendlings Part war perspektivisch derart daneben, das wir grundlegende Umarbeitungen vornehmen mußten um wieder alles ins Lot zu bringen. Da Martin`s Ideen und Entwürfe aber genial waren, wollte keiner darauf verzichten.
Ein einziger Schreibtisch, und eine einzige Zeichnung, haben leider den Nachteil das jeweils immer nur ein einziger Zeichner daran arbeiten kann. Also wurde im Mehrschichtbetrieb ‘geklotzt’, über Stunden hinweg. Die Patchwork-Teile mußten mit dem Cutter sorgsam ausgeschnitten und in der Original-Vorzeichnung zusammengefügt werden. Während dies geschah, arbeiteten Georg und Martin intensiv an der Umarbeitung, bzw. Neugestaltung ihrer Beiträge. Der Rest der Mannschaft spendete Unterstützung mit Ideen und Anregungen.
Als alles zusammengefügt war und die entstanden Lücken zu einer Einheit gefüllt waren, begannen wir mit der Reinzeichnung in Tusche. Durch die Trocknungszyklen, und das Medium selbst bedingt, ging es langsamer voran als das Zeichnen mit dem Bleistift.
Gegen Mittag angefangen, schufteten sechs Zeichner im ‘Rund-um-die-Uhr-Betrieb’ die ganze Nach durch, bis in den frühen Morgen. Mir ist die Tortour noch heute lebhaft in Erinnerung und ich ziehe den Hut vor der Leistung, die diese Jungs damals vollbracht haben.
Irgendwann war die Luft raus. Die Erschöpfung stand allen ins Gesicht geschrieben. Der KLOTZ war nicht fertig zu diesem Zeitpunkt!
Gregor Sedlag entschied die Arbeit wieder mit nach Berlin zu nehmen und dort zu vervollständigen. Ich weiß das er damals noch mehrere Tage damit verbracht hat alles zu komplettieren und die ungeheure Menge an grafischer Information zu einer professionellen Rißzeichnung zu verschmelzen.
André Höller fügte abschließend das gesamte Diorama mit Airbrush hinzu, … der KLOTZ war fertig. Nach mehreren Anmahnungen noch gerade zum letztmöglichen Abgabetermin. Da auch Gregor viel um die Ohren hatte, wurde er von Florian Marzin, dem damaligen Chefredakteur von VPM schwer unter Druck gesetzt und beinahe wäre alles von VPM gecancelled worden. Doch Gregor lieferte auf den letzten Drücker und wir waren wieder im Geschäft.
Sieben Zeichner an einer einzigen Arbeit vereint, da sollte es nie wieder geben. Eine Rißzeichnung, im Original DIN A0 groß und gefüllt mit tausenden von grafischen Elementen. Eine koordinatorische Glanzleistung und der eiserne Willen zur Umsetzung haben das möglich gemacht.
Ich bin noch heute stolz darauf das ich an diesem Projekt mitwirken durfte. Der KLOTZ hat uns damals fester zusammen geschweißt.
Danke Jungs!






-Privater Beitrag. Nur für authorisierte Leser.



