Heute hatte ich ein kurzes Flashback zurück in meine Zeit als Lehrling.
Das war in den Jahren 1983/84. Das ist jetzt 24 Jahre her und scheint gar nicht so weit entfernt zu sein. Aber streng genommen ist das nicht die Wahrheit. 1984 ist nicht nur lange her, es ist auch eine ganz andere Welt gewesen.
Wer kann, der versetze sich mit mir nochmal ganz kurz zurück in jene Tage. An jeder Ecke gab es Platten-Läden, in den Gängen Jugendliche und Musikfans, die eifrig damit beschäftigt waren die Regale und Schubladen voller Vinyl nach den neuesten Hits zu durchstöbern, nach Singles, Maxis und LPs. An der Verkaufstheke konnte man die Platten Probe-Hören und ich kann mich an Freaks erinnern, die stundenlang dort saßen, mit einem regelrechten Turm an LPs vor sich, den dicken Kopfhörer an die Ohren gepreßt und ganz weit weg mit ihrer Mucke.
Von CDs keine Rede, … keine Spur.
Warum? Naja, die gab’s eben noch nicht. Jedenfalls nicht für Otto-Normal-Musik-Käufer.
Ich sehe mich mit Kleingeld in den gelben Telefonhäuschen stehen, wenn denn mal eine intakt war, Münzen einwerfen um jemanden anzurufen. Standard-Wählscheibe, Bakelit-grau, das Telefonbuch zerfleddert, die Neonröhren flackernd.
Von Handies keine Rede, … keine Spur.
Warum? Naja, die gab’s eben noch nicht. Jedenfalls nicht für Otto-Normal-Telefonierer.
Auf meinem Schreibtisch stand neben der ganz normalen Schreibmaschine ein Commodore VC-20. Immerhin gehörte ich damals bereits zu jener elitären Gruppe, die einen “Computer” ihr Eigen nennen durften. “Computer”, …, was für ein Wort. Von Vielen ausgesprochen als ob sie vom bemannten Raumflug sprechen. Wir kannten zumindest bereits den Begriff “Home-Computer”.
Von PCs keine Rede, … keine Spur.
Warum? Naja, die gab’s eben noch nicht. Jedenfalls nicht für Otto-Normal-Programmierer.
Und diese Dinge könnte man beliebig weiterspinnen, von Videorecordern, über die DVD, dem MP3-Player, den TFT-Fernsehern, der GPS-Satelliten-Navigation, DVB-T, … das Internet.
“Inter…was?”, hätte man damals gefragt.
Die Welt vernetzt, Milliarden von Seiten, frei verfügbar über den ganzen Globus verteilt? Elektronische Post, in Sekunden zugestellt, von Hintertupfingen bis Hong Kong? Bestellen und Einkaufen mit dem Computer, direkt von Zuhause? Videos, Nachrichten, Berichte, Spiele, Informationen? Das alles nur ein paar Mausklicks entfernt?
“Maus…was?”
Mobile Computing per Notebook, zu jeder Zeit, an jedem Ort? Völlig undenkbar.
Und trotzdem haben wir alle gesprochen und spekuliert. Vom Jahr 2000, den grenzenlosen Möglichkeiten der Technik und von dem was kommen würde. Von den Hirngespinsten der Science-Fiction-Autoren, von den Ideen, so skurril, das man nicht darauf gekommen wäre wie es tatsächlich kam. Die hartnäckig und immer wiederkehrende Fiction der damaligen Zukunft war das ‘Bild-Telefon’. Revolutionierend und doch gleichsam Fiction und unerreichbar für den normalen Haushalt. Ausgerechnet DIESE EINE SACHE haben wir bis heute nicht. Technisch von der Post nicht umsetzbar oder in sich veraltet. Stattdessen kamen Sachen, an die man damals nicht im Traum gedacht hätte, weil es unser Vorstellungsvermögen gesprengt hätte. Spielekonsolen, virtuelle Welten, Mobiltelefone mit tausend Sonderfunktionen, samt Spracherkennung und Fernsehen. Digitale Fotografie und grenzenlose Miniaturisierung. Ganze Bibliotheken auf einem kleinen Speicher-Chip, …
Ihr seht. 1984 ist nur 24 Jahre entfernt, aber man sollte glauben es ist auf einem ganz anderen Stern.
Jaa, …, früher. Da war alles ganz anders. Aber eigentlich war ‘früher’ erst gestern, oder?
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