Man sollte meinen, zur Zeit gäbe es nichts Wichtigeres für die Deutschen, als die Suche nach dem ‘Supertalent’ oder dem ‘Superstar’.
Jeder meint ein Star zu sein, oder besser gesagt: Wer es heute nicht in wenigen Wochen vom Niemand mindestens zum ‘Superstar’ bringt, der hat wohl was falsch gamacht. Und was heißt hier überhaupt ‘Superstar’? Ein Star zu sein, das hat schon einiges an Bedeutung. Das ist etwas besonderes, etwas, das auf harter Arbeit, Fleiß und Talent begründet ist und die Anerkennung von Fans und Freunden widerspiegelt. Ein ‘Superstar’ ist in meinen Augen jemand, der das alles bis zur Perfektion gebracht hat, weltweites Ansehen genießt und schon viele Jahre im Geschäft ist. Und das nicht weil er gerade mal zwei Strophen fehlerfrei singen kann, sondern weil er Songs für Generationen schreibt und bei Vater und Sohn noch in guter Erinnerung ist. Menschen wie Freddy Mercury, Elton John, Peter Gabriel, George Michael, oder Gruppen wie Abba und die Rolling Stones.
Die kleinen Stimmchen, die uns heute noch als ‘Superstar’ verkauft werden, sind schon morgen durch die nächste Staffel ersetzt und in wenigen Jahren hört man nichts mehr von ihnen. Damit möchte ich keinesfalls deren Fähigkeitn und Talente unter den Scheffel stellen. Allein der Titel geht mir gegen den Strich, denn schon zum Star ist es ein weiter Weg, den längst nicht jeder gehen kann. Nur die Tatsache, das er von RTL in den Medien gepusht wird, macht noch niemanden zum Talent. Verdienen tun daran sowieso immer nur die Gleichen.
Aber ungeachtet der Tatsache, das die Castings recht amüsant sind, frage ich mich manchmal, warum wir Deutschen zur Zeit nur nach den Stimmchen irgendwelcher 20-jährigen gieren. Was ist mit den hellen Köpfen die sonst noch in unserem Land sind? Mit den Geschichtenerzählern, Dichtern, musikalischen Talenten, den technischen Könnern und Ingenieuren, Mathematikern und dergleichen? Wir hatten und haben sicher etwas mehr zu bieten als Teens, deren ‘Traum’ schon immer das Singen war. Interessant für mich übrigens jedesmal, wie sich 17-jährige vor die Kamera stellen und davon erzählen, Singen sei Ihr Lebenstraum. Von welchem Leben reden die? Von dem, das noch vor ihnen liegt? Das Bisherige dürfte bei weitem zu kurz für einen echten Lebenstraum gewesen sein, oder? Ich denke die Wertigkeiten haben sich in die falsche Richtung verschoben. Die Echten sind stets klein und bescheiden angefangen und haben sich erst nach vielen Jahren zu wirklichen ‘Stars’ entwickelt. Heute jedoch tritt man vor die Kamera und geht davon aus vier Wochen später ein ‘Star’ zu sein. Was bedeutet das noch? Auch andere Tugenden und Fähigkeiten verdienen der Würdigung. Die Suche nach dem ‘Supertalent’ war ein richtiger Schritt in diese Richtung.
Im Big-Brother-Container werden wir diese Qualitäten sicherlich nicht finden. Wo bleibt die Würdigung der großen Erfinder und Denker in unserem Land? Ja die soll es geben. Nur stehen die nicht bei Dieter Bohlen im Casting, sondern sitzen in den Hörsälen der Unis oder in den Labors von Weltfirmen, entwickeln Betriebssysteme oder neue Nano-Technologien.
Irgendwie habe ich die ‘Wesley Crushers’ des wirklichen Lebens immer mehr bewundert als die Hampelmänner des Privat-Fernsehens. Vielleicht sieht es der ein oder andere genauso.
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