Das kleine Sterben
Erstellt von O.Johanndrees, 2010Mai 15
Gestern habe ich erfahren, das der Musikladen, in dem ich bislang meine benötigten Artikel gekauft habe, schließen mußte.
Das ist insofern ungünstig, als das er der ziemlich einzige brauchbare Laden im Umkreis von 50 Kilometern war und wirklich alles vorrätig hatte, von Kleinteilen angefangen, bis hin zu einer Armada von Gitarren und Verstärkern.
Ich hatte nicht damit gerechnet, das auch dieser Laden würde schließen müssen, schon aufgrund mangelnder Konkurrenz. Aber weit gefehlt.
Die heutigen Läden stemmen sich nur noch mühsam gegen die meist günstigere Konkurrenz aus dem Internet. Die Leute, mich nicht ausgenommen, bestellen einfach lieber vom heimischen PC aus, als 20 Kilometer zu fahren, nur um ein paar Gitarrenseiten zu kaufen, die dann womöglich auch noch teurer sind.
Auf der anderen Seite können Läden wie dieser ihre Ware nur noch zu dem Preis verkaufen, wie er auch im Internet angeboten wird. Die Möglichkeiten des Verbrauchers praktisch jederzeit einen umfassenden Preisvergleich zu starten sind leider zu einem Fluch für die Wirtschaft der Provinz geworden. Das bei den Dumpingpreisen chinesischer und taiwanesischer Firmen niemand mehr seinen Unterhalt bestreiten kann, scheint verständlich.
Und so macht ein kleiner Laden nach dem anderen zu. Das schlimme dabei ist, das die Leute dann auch nicht mehr vor Ort kaufen können und praktisch gezwungen sind im Internet nach ihren Waren zu suchen. Und so wird die Spirale immer steiler, bis eines Tages die Waren dieser Welt ausschließlich aus großen Zentrallagern kommen, on demand, per Internet bestellt. Die heimische Wirtschaft muß dabei zwangsläufig auf der Strecke bleiben, so wie auch mein Musikladen.
Mir persönlich tut es leid, wenngleich ich zu einem kleinen Teil auch mit dafür verantwortlich bin. Die Globalisierung scheint in heutigen Tagen kein wirklicher Segen für uns zu sein. Vielleicht sieht die Welt in 50 Jahren anders aus, wenn sich die Globalisierungswelle rund um den Globus abgeschwächt hat und tatsächlich jeder Artikel weltweit bezogen werden kann, zu gleichen Bedingungen und gleichen Preisen. Bis dahin werden die Niedriglohnländer jedoch erstmal weiter davon profitieren und in den Hochlohnländern, wie bei uns, das kleine Sterben anhalten.
Schade um jede Existenz ist es allemal.



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